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Der glückliche Wahlverlierer.


Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs,

In wenigen Tagen werden wir einen neuen Bundeskanzler bekommen, den seine Partei vor einem Jahr nominiert hatte, weil keiner aus der SPD auch in den kühnsten Träumen hoffen konnte, jemals aus dem Umfragesumpf herauszukommen. Auf Olaf Scholz war die Partei doch nur gestoßen, da sie jemanden brauchte, dem die drohende Wahlniederlage angehängt wird und der sich dafür nach seiner Niederlage in der Wahl zum Parteivorsitzenden noch hergab. Wie Lichtgestalten an der SPD-Spitze aussehen, hatten wir bereits bei Martin Schulz erlebt, der sang- und klanglos nach zuvor 100% Zustimmung des Parteivolks irgendwo im Laufe der Zeit in der Versenkung verschwand.

Auch hier im Landkreis Helmstedt gab es zwei Hoffnungsträger der SPD, die sich Großes vorgenommen hatten: zum Einen der Noch-Landtagsabgeordnete Domeier und zum Anderen dessen "Büroleiter" Fricke aus Schöningen. Das Kalkül war sicher Folgendes: wenn Domeier Nachfolger des rührigen Samtgemeindebürgermeisters Matthias Lorenz (SPD) wird, macht er den Weg in den Landtag für seinen Büroleiter frei. Aber wie man in der „Braunschweiger Zeitung“ lesen konnte, stemmte sich sogar die Samtgemeindeverwaltung Nord-Elm gegen derlei Pläne, zumal man angesichts der knappen Personaldecke auch einen Chef suchte, der tätig mitarbeitet. Anders herum: auf einen Genossen, der ohne fachliche Qualifikation als „Frühstücksdirektor“ einen Versorgungsposten sucht und nur herumsitzt, wollte man verzichten.

Deshalb musste sich Büroleiter Fricke in das Abenteuer um den Landratsposten stürzen, weil sein Chef Domeier offensichtlich keine Chance in Nord-Elm hatte. Wie die Landratswahl ausgegangen ist, werden Sie, liebe Leserinnen und Leser meines Blogs, noch in guter Erinnerung haben. Es waren nur 520 Stimmen, die zwischen dem wiedergewählten Landrat Radeck und dem politischen Büroleiter Fricke lagen. Eigentlich hätte der Abstand noch größer sein müssen, denn neben einem nichtssagenden Wahlplakat („Näher dran!“), das sich wohl eher an Kurzsichtige wandte, hatte der glücklose Landratskandidat, der so gut ,wie keinen Wahlkampf machte, noch nicht einmal die volle Unterstützung seiner Genossen. Das war beim erfolglosen Schlichting schon im Jahre 2016 so gewesen, warum sollte sich die SPD bei Fricke anders verhalten? Man brauchte für eine drohende Niederlage auf Kreisebene ebenfalls einen Sündenbock.

Glauben Sie, dass das dem Wahlverlierer Fricke zu Herzen geht, wenn er seinen kühnsten Träumen nur 520 Stimmen fern blieb? Meinen Sie,dass er angesichts der merkwürdigen Briefwahl, die ihn um seinen Sieg brachte und der fehlenden Wahlunterstützung etwa mit seiner Partei hadert? Oder gar als Fraktionsführer einen harten Oppositionskurs gegen den wiedergewählten Landrat und dessen ihm willenlos folgende CDU-Kreistagsfraktion fährt? Nichts dergleichen! Jan Fricke ist offensichtlich glücklich, dass er nicht Landrat geworden ist, denn erstens wäre er angesichts seiner offensichtlichen politischen (Un-)Fähigkeiten innerhalb kürzester Zeit entzaubert worden, auch wenn die Kreisverwaltung im Gegensatz zu einer Samtgemeinde mehr Fachleute besitzt. Und zweitens kann man doch dem Landrat Radeck nicht böse sein, wenn es ein Fair-Play-Abkommen zwischen beiden gab und Fricke für einen schwunglosen Wahlkampf ordentlich belohnt wird: als Erster Stellvertreter des Landrates ist Jan Fricke bei Eilentscheidungen notwendig, wenn die große Politik von Landrat und CDU im Hinterzimmer beschlossen wird; als Vertreter des Landrates darf er "mitspielen", darf sich jetzt in der Öffentlichkeit zeigen, mit Prominenten zusammensitzen, Kinderköpfe streicheln und Spendenschecks verteilen. Ordentlich Dienstaufwandsentschädigung, also Geld, bekommt er auch dafür, und wenn es nicht reicht, - ja dann ändert man kurzerhand die Regeln. Denn auch die Kumpel von der CDU nehmen gerne Erhöhungen mit, Hauptsache es findet sich jemand, der das für sie beantragt.

So macht Macht allen richtig Spaß, und hat speziell für Jan Fricke auch den Nebeneffekt, sich in den nächsten fünf Jahren als Nachfolger des amtierenden Landrats dem Wahlvolk zu empfehlen. Als nur knapp unterlegener SPD-Kandidat bildet er jetzt ein ‚Dream Team‘ mit Landrat Radeck und strahlt glücklicher als er es jemals auf Wahlplakaten getan hat. Wohlig und wärmend das Gefühl in Seele und Bauch, - andere erklären das mit der Reibungswärme, die entsteht, wenn man über den Tisch gezogen wird, meint
Ihr
MUDr.PhDr./Univ.Prag Jozef Rakicky