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Kommunales Medizinisches Versorgungszentrum - dringend benötigt !

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs,

Haben Sie in der letzten Zeit an Krankheitszuständen gelitten, für die eigentlich der Arzt in der Nachbarschaft zuständig ist, - haben aber keinen Termin bekommen? Dann kann das daran liegen, dass Sie erst vor kurzem in unseren Landkreis gezogen sind. Denn jeder Neubürger macht die betrübliche Erfahrung, dass die örtlichen Arztpraxen „eigentlich niemanden mehr annehmen“. Wenn es ganz dringend sei, solle man doch bitte schön wegen seiner Wehwehchen zum Krankenhaus gehen, das dürfe keine Patienten ablehnen. Aber viel Wartezeit solle man einplanen, so der wertvolle Tipp unserer örtlichen Ärzte.

Woran liegt es denn, dass sich die Praxen so sperren? Na, vielleicht liegt es daran, dass es einfacher ist, wenn seit Jahrzehnten gut eingestellte Diabetes-Patienten alle Vierteljahre regelmäßig erscheinen, um sich ein Rezept abzuholen. Oder das blutdrucksenkende Medikament oder einfach nur mit dem Arzt ein Schwätzchen halten wollen, weil sie sonst keine Sozialkontakte haben. Diese Form von -wie die Experten sagen- „kostenoptimierter Behandlung“ lässt mehr Netto vom Brutto über, als wenn man sich jeden Tag neu auf unterschiedliche Erkrankungen einlassen muss.

Schnell ist die Erklärung bei der Hand, Deutschland leide unter einem Ärztemangel. Das stimmt aber nicht: 1990, im Jahr der Deutschen Einheit, waren bundesweit 237.750 Ärzte registriert. Jetzt halten Sie sich fest: bis Ende vergangenen Jahres ist deren Anzahl auf 409.121 gestiegen! Offenbar arbeiten Mediziner heute weniger und andererseits gehen Menschen öfters zum Arzt. Aus kürzerer Arbeitszeit ließe sich das Phänomen ‚Ärztemangel‘ wahrscheinlich zutreffender erklären.

So gesehen ist ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum eine wunderbare Alternative, um den Landkreis Helmstedt für Neubürger, junge Familien, HomeOffice-Worker attraktiv zu machen. Die Kommune bräuchte nur das Gebäude zu einzurichten, um engagierten Ärztinnen und Ärzten vereinbar mit der individuellen „work-life-balance“ ein Beschäftigungsfeld ohne wirtschaftliches Risiko zu bieten. Ein gelungener Anbieter-Mix aus Ärzten, Physiotherapeuten, Apotheke sowie der staatlichen Förderung aus Mitteln des Bundes hält das finanzielle Risiko für die Kommune in einem überschaubaren Rahmen; immerhin heißt so etwas auch Daseinsvorsorge.

Na, kommt Ihnen dieser Vorschlag irgendwie bekannt vor? Dann haben Sie wohl meinen Redebeitrag im Kreistag und früher mein Wahlprogramm als Landratskandidat richtig verstanden. Allerdings: wenn der AfD-Fraktionsvorsitzende einen noch so sinnvollen und für die Bürgerinnen und Bürger segensreichen Vorschlag macht, wird das mit der Mehrheit unserer „auf Linie getrimmten“ Kreistagspolitiker der Altparteien rundweg abgelehnt. Es kommt ja nicht mehr auf den Inhalt an, sondern nur noch auf den Sprecher! Und wenn unser Landrat Radeck die kommunalen Medizinischen Versorgungszentren auch noch auf die gleiche Stufe wie die „Polikliniken“ aus der DDR-Zeit stellt, dann wird das nie etwas werden mit einer Verbesserung der medizinischen Versorgung in unserem Landkreis! Schöner für die Politiker, und vor allem unserem höchst „agilen“ Landrat, ist der großzügige Scheck, den man mit Wohltätermiene an Jung-Ärzte oder solche, die sich vielleicht nur zum Schein kurzfristig niederlassen, öffentlichkeitswirksam übergeben kann.

Man kann den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landkreises, die sich nicht mit den Standortnachteilen abfinden wollen, nur aufs Dringlichste raten, eine Online-Petition auf den Weg zu bringen oder sonstigen politischen Willen zu formulieren, dem sich unsere Kreistagsabgeordneten aus Bequemlichkeit nicht aufraffen, meint
Ihr
MUDr. PhDr./Univ. Prag Jozef Rakicky